Juli 1, 2019

DIE PERFEKTE ROUTE FINDEN

Aktivitäten

Die Natur bei einer Wanderung erleben macht auch schon den Kleinsten Spaß. Der Weg durch Wälder, Wiesen und Felder verspricht hinter jeder Biegung eine neue Entdeckung: Beim Wandern mit Kindern spielen Pusteblumen am Wegesrand, Kaulquappen im Flüsschen oder das Gezwitscher der Vögel die Hauptrolle. Für einen gelungenen Familienurlaub über Stock und Stein gilt es, bei der Auswahl der Route auf die Bedürfnisse der kleinsten Wanderer zu achten. Denn auch wenn der Nachwuchs über eine ungebremste Neugier auf die Natur verfügt, selbst dem eifrigsten Entdecker können auf dem Weg nach oben die Füße schwer werden. 

Anders als für die Eltern, sind für Kinder die frische Luft und die schöne Aussicht nur kurze Highlights auf dem Weg. Um Kinder für einen Tag in der Natur zu begeistern, sollten nicht die Anzahl der Höhenmeter, der atemberaubendste Ausblick oder der schnellste Weg zum Gipfel die Auswahl der Route beeinflussen. Bei einer kinderfreundlichen Wanderung steht das Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ im Mittelpunkt, schließlich gibt es bereits auf einem abwechslungsreichen Wanderweg genug zu entdecken. 

Damit der nächste Familienurlaub in den Bergen für strahlende Gesichter sorgt, haben wir im Folgenden Kriterien für die passende Wanderung mit Kindern zusammengefasst. Zur Orientierung können auch die Tourentipps für Familien in gut erschlossenen Wanderregionen dienen. Hier wurde bereits bei der Tourenwahl auf die Bedürfnisse von Familien geachtet. 

Als eine der beliebtesten Regionen für den Wanderurlaub (https://www.zillertal.at/tipps/familienurlaub/wandern-mit-kindern.html) mit der ganzen Familie, bietet das Zillertal in Österreich neben kindgerechten Wanderrouten auch Platz für weitere erlebnisreiche Aktivitäten (https://www.zillertal.at/tipps/sommer/bergerlebnisse.html) – beispielweise Spielplätze am Berg, einen Barfußweg, einen Hochseilgarten, einen Klettersteig und Mountainbike-Strecken. 

Gemeinsam hoch hinaus

Selbst erfahrenen Wanderern geht in höheren Lagen über 2.500 Metern manchmal die Puste aus. Kleine Wanderer sind deutlich feinfühliger bezüglich der dünnen Höhenluft und schnellen Höhenveränderungen. Babys und Kleinkinder können bereits in deutlich niedrigerer Höhe von der Höhenkrankheit betroffen sein. Insbesondere das schnelle Überwinden von Höhenunterschieden ist für die Kleinen aufgrund des langsamen Druckausgleichs oftmals mit Schmerzen verbunden. Ist man mit Kleinkind in den Bergen unterwegs, sollte die Grenze von 2.000 Höhenmetern nicht überschritten werden, Mit Kindern vor dem ersten Lebensjahr sollten Höhen über 1.500 Höhenmeter gemieden werden. Auch bei Seilbahnfahrten können bei Kindern Augen- und Ohrenschmerzen durch den verzögerten Druckausgleich auftreten. Hilfreich für die Kleinen ist bei der Auf- oder Abfahrt Trinken, Nuckeln oder Bonbon lutschen. Ist die Auffahrt geschafft, verspricht eine Route mit schwacher Steigung und langsamem Anstieg unter 2.000 Höhenmetern Wanderfreude für Klein und Groß.

Weniger ist mehr

Beim Wandern mit Kindern sind am Ende eines gemeinsamen Wandertags nicht die Anzahl der gelaufenen Kilometer oder die zurückgelegten Höhenmeter ein Indiz für den Tageserfolg: Viel wichtiger ist, dass der Spaß der Kinder am Wandern die gesamte Tour über erhalten bleibt. Nur so ist die Motivation für zukünftige Wanderungen im Familienurlaub gegeben. Die ausgewählte Route sollte die Kleinen zunächst nicht überfordern. Achten sie darauf, den Nachwuchs langsam an das Wandern in den Bergen heranzuführen. Mit Kindern im Vorschulalter (Kinder ab vier Jahren) lassen sich bereits einfache Wanderrouten gemeinsam meistern, da sie schon längere Strecken auf den eigenen Beinen zurücklegen können. Als Orientierung für die Planung der Route dient die Faustregel, dass Kinder pro Tag das 1,5-fache ihres Alters in Kilometern zurücklegen können. Grundsätzlich sollten jedoch Kinder unter zehn Jahren nicht länger als vier Stunden pro Tag wandern. Dabei gilt es bei der Auswahl der Strecke zusätzlich berücksichtigen, dass eine Wanderung mit Kindern schnell das 1,5-fache bis doppelte der vorgegebenen Gehzeit beansprucht, schließlich ist für Kinder mehr als nur der Kiesel- oder Waldweg faszinierend. 

Das Ziel vor Augen

Bei einer Wanderung mit Kindern spielt das Erreichen des Gipfels eine untergeordnete Rolle, schließlich lässt sich schon beim Aufstieg der Forscherdrang ausleben. Dennoch sollte im Vorfeld ein für die kleinen Wanderer ein interessantes und eindeutiges Ziel festgelegt werden. Das kann zum Beispiel ein Wasserfall, ein Badesee oder ein Spielplatz mit Aussicht sein. Familienfreundliche Wanderregionen bieten darüber hinaus besondere Aktivitäten für Kinder an, z.B. einen Erlebnis-Parcours, einen Hochseilgarten oder einen Streichelzoo (https://www.zillertal.at/tipps/sommer/bergerlebnisse.html). Das Ziel dient zum einen der Orientierung, zum anderen als Belohnung für die zurückgelegte Strecke. Ein gemeinsam mit den Kindern ausgewähltes Ziel verstärkt die Lust am Wandern und sorgt schon bei den Kleinsten für großen Stolz. Je älter die Kinder sind und je mehr sie bereits selbst motiviert sind mitzulaufen, desto mehr kann man sie in die Auswahl der Route und des angestrebten Zielpunktes einbeziehen. 

Abkürzungen im Blick

Auch wenn die erweiterte Gehzeit pro Strecke im Voraus geplant wird und alle denkbaren Vorbereitungen getroffen werden, ein Tag mit Kindern in den Bergen steckt immer voller Überraschungen. Da kann es vorkommen, dass die Füße schwer werden, die Schuhe drücken oder die Müdigkeit größer als die Begeisterung für die Natur ist. Möchte das Kind partout nicht mehr weitergehen, sollten potenzielle Abkürzungen innerhalb der Strecke ein vorzeitiges Ende der Wanderung ermöglichen. Idealerweise verfügt die ausgewählte Strecke über mehrere, für die Kinder interessanten, Etappenziele. Highlights auf der Strecke (siehe „Das Ziel vor Augen“) motivieren einerseits zum Weiterlaufen. Andererseits kann ein spannendes Zwischenziel bei einem Motivationsloch einfach zum Endziel der Familienwanderung abgeändert werden. Gleiches gilt im Gegenteil auch für Wanderungen mit hochmotivierten kleinen Wanderern, die sich mit Erreichen des Ziels noch nicht verausgabt haben: Ideal ist hier eine Route, die sich durch eine kleine Abänderung verlängern lässt. 

Zeit für Picknick

Die spannende Umgebung wird kreuz und quer erkundet, sodass Kinder auf Wanderungen häufig deutlich mehr Strecke zurücklegen als Erwachsene. Jede erfolgreich bewältigte Etappe einer Wanderung bietet Gelegenheit für eine Verschnaufpause mit Verpflegung zur Auffüllung der Kraftreserven, in Österreich umgangssprachlich „Jause“ genannt. Regelmäßige und häufige Verpflegungspausen mit ausreichend gesunden Snacks, belegten Broten und Trinken sind für das Kind notwendige Erholungsphasen nach so viel Zeit auf den Beinen. Ein Aussichtspunkt, Wasserfall oder Spielplatz eignen sich ideal für ein gemeinsames Picknick und liefern gleichzeitig genügend Raum zum Toben und für neue Beobachtungen. 

Abwechslung auf der Route

Auch mit einem klaren Ziel vor Augen kann die Motivation der kleinen Wanderer auf dem Weg nachlassen. Um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, bietet sich die Auswahl einer Route durch unterschiedliche Landschaften an. Je diverser die Umgebung und je diverse der Weg ist, desto mehr werden sich die Kleinen auf die spannende Umgebung statt auf das Wandern konzentrieren. Ein Wanderpfad auf dem sich Wald, Weiden und Feldwege abwechseln regt die Neugierde auf Pflanzen und Lebewesen an. Kreuzt der Weg einen Bach, See oder Wasserfall bleibt es ebenfalls spannend. o lernen die Kleinen im Gehen spielerisch etwas über Wildkräuter, Wildblumen und die tierischen Bewohner von Wäldern und Gewässern. Auch Steinchen oder Stöckchen sammeln wird leicht gemacht. Die Arbeit der Nachwuchsforscher kann durch eine Lupe oder ein Fernglas noch spannender gemacht werden, diese Utensilien sollten auf der Packliste nicht fehlen! 

Spielerisch die Natur erkunden

Die Natur bietet auf einer kinderfreundlichen Wanderung nicht nur reichlich zu entdecken, sondern auch die Gelegenheit Neues zu Lernen. Oft bleibt es nicht nur beim Beobachten, Kinder möchten ihre Umgebung am liebsten mit allen Sinnen erkunden. Auf einer Familienwanderung bieten sich daher Ratespiele und Tastspiele für die kleinen Entdecker an, beispielsweise Vogelgezwitscher zuordnen, Tannenzapfen erfühlen oder Blumenarten erraten. Auch klassische Kinderspiele wie „Ich packe meinen Koffer“ oder „Ich sehe was, was du nicht siehst“ lassen sich einfach auf dem Weg einbauen und sorgen für Kurzweile bei Kindern. Ein eigener Wanderrucksack ermöglicht es dem Kind, die gesammelten Schätze anschließend stolz nach Hause zu transportieren. Auch die Lupe oder ein leichtes Fernglas finden darin ihren Platz. Die Ausstattung mit richtiger Wanderausrüstung motiviert die Kleinen zusätzlich. Dazu zählen neben dem kindgerechtem Wanderrucksack passende Wanderschuhe in der richtigen Größe, bequeme und wetterfeste Kleidung sowie umfangreicher Sonnenschutz.

Gut abgesichert

Die ausreichende Vorbereitung und die Auswahl der geeigneten Route sind das A und O beim Wandern mit Kindern. Trotz behutsamer Vorbereitung bergen alle Wanderwege, insbesondere in höheren Lagen, Risiken für Groß und Klein, die es unterwegs zu berücksichtigen gilt. Schon von Beginn an sollten die kleinen Wanderer aktiv über mögliche Gefahren aufgeklärt werden. Die grundsätzliche Neugier bei Kindern macht auch vor steilen Abhängen nicht alt. Beim Aufstieg sollten deshalb die Kinder vorangehen, sodass die Kleinen immer im Blickfeld wandern. Umgekehrt gilt für den Abstieg, dass die Erwachsenen vorlaufen, um so eventuelle Stürze oder Hinabrennen abzufangen. In steileren Gebieten kann ein Wandergurt für die nötige Absicherung der Kinder sorgen. Auch ohne zusätzliche Absicherung sollte die Hand von Mama oder Papa immer griffbereit Unterstützung und Halt liefern. Wichtig für die allgemeine Sicherheit, ist, dass auch die kleinen Wanderer mit dem richtigen Schuhwerk ausgestattet sind, das Halt und Bequemlichkeit auch auf unebenen Wegen liefert. 

Hilfsmittel griffbereit halten

Erst ab vier Jahren verfügen Kinder über die notwendige körperliche Kondition, selbstständig längere Strecken zurückzulegen. Wanderungen mit kleineren Weltentdeckern sind ebenfalls möglich, in diesem Fall sorgen zusätzliche Hilfsmittel für eine entspannte Wanderung. Babytrage, Wanderkrackse oder Kinderwagen sind für Eltern jüngerer Kinder auf Wanderungen unentbehrlich, da hier die Kleinen die notwendigen Pausen auch während des Weges zurücklegen können. Insbesondere familienfreundliche Routen in gut erschlossenen Wandergebieten sind auch mit Kinderwagen einfach machbar, gegebenenfalls ist der Einsatz eines speziellen Gelände-Buggys ratsam.

Unter Berücksichtigung dieser Tipps steht dem gemeinsamen Wanderurlaub als Familie nichts mehr im Weg. Lassen Sie sich nach ihrer Auswahl der geeigneten Route beim nächsten Familienurlaub auf dem Wanderweg vom Spürsinn des Kindes leiten. Sie werden Staunen, welche Entdeckungen die Kleinen auf dem Weg nach oben machen. Viel Spaß beim Erkunden der Bergwelt als Familie!